Die Geburt

Ratten haben eine Tragezeit von drei Wochen. Sie werfen fast immer punktgenau 21 Tage nach dem Deckvorgang, sofern die Dame aufgenommen hat. (Der Wurftermin kann sich auch bis zu drei Tage nach hinten verschieben)

Die Mutter bereitet sich auf die bevorstehende Geburt vor. Im Normalfall bauen sie ein Nest und gebären darin. Mütter, die das nicht tun, bauen ihr Nest nach der Geburt.

 

Diese Siam-Dame ist in der 3. Woche tragend und steht kurz vor der Geburt. Der Bauch senkt sich und die Atmung wird schneller. Die Wehen setzen in immer kürzeren Abständen ein.


Damit die werdende Mutter ihre Ruhe hat und sich ganz auf den Geburtsprozess vorbereiten kann, wird sie bei uns in eine Wurfbox (Hartplastik oder Makrolon  *1) gesetzt. Der Vorteil ist, dass sie dort geschützt ist, ein Nest bauen kann und man immer sofort sieht, wenn es Probleme geben sollte. Die Mütter bekommen selbstverständlich weiterhin ab der 1. Woche nach der Geburt wieder regelmäßig Zugang zu ihrem Rudel und zu den anderen Rattenmädchen. Sie bekommt regelmäßig Auslauf, sofern sie das möchte.


Nun steht jedoch erst einmal die Geburt bevor. Ein Nest wird gebaut, weich gepolstert und die Mutter hat jetzt alle Ruhe der Welt, sich der Geburt zu widmen...

Der Geburtsvorgang kann zwischen 30 Minuten und einigen Stunden andauern. Je nach dem wie kräftig das Muttertier ist und wie groß der Wurf wird. (Anzahl der Jungen)

Die Mutter säubert jedes der Welpen akribisch nach der Geburt. Die Welpen fangen sofort nach dem Säubern an zu trinken.

Die Mutter frisst, nachdem sie alle Welpen geboren und gesäubert hat, die Nachgeburt. Das ist der natürliche Trieb, den die Tiere durch die Wildnis behalten haben, um Feinde nicht anzulocken und Krankheiten zu vermeiden.

Nach der Geburt - ein volles Nest

Nach der Geburt hat die Mutter alle Babys abgenabelt und penibel gesäubert.

Mit leichten Falten und noch sehr klein und dünn liegen nun kleine "schrimpsähnliche" Fleischlinge, blind und völlig hilflos, im Nest.


Die erste Aufgabe, welche sie nun im Leben bekommen ist: "Saufen saufen saufen"

Die Muttermilch ist das Wichtigste Grundnahrungsmittel für diese Zeit. Sie enthält viele Fette und Eiweis, was die Kleinen zum Wachsen, für die Knochendichtenbildung

und für die weitere Entwicklung benötigen.

1 Woche später

Die Babys sind jetzt 8 Tage alt. Sie haben enorm zugenommen und an Größe gewonnen. Jetzt beginnt auch der Fellwuchs. Die Proportionen der kleinen Rattenkinder haben sich auch leicht ins Rundliche verändert. Pralle Bäuche zeigen, dass der regelmäßige Genuss an der Milchbar viel ausmacht.

2 Wochen später

Das Fell ist nach 10 Tagen schon oberflächlich gut ausgeprägt und beginnt an Festigkeit und Dichte zu bekommen. Nach ca. 14 Tagen kann man (hier bei den Siam zum Beispiel) die Unterschiedlichen Farbgebungen und Fellarten gut erkennen. Langsam beginnen sich auch die Augen zu öffnen und die kleinen Zwerge fangen tüchtig an zu laufen und die Welt zu entdecken. Die Mutter hat nun alle Pfoten voll zu tun, die kleinen Racker zu überblicken.

3 Wochen später

In drei Wochen hat sich viel getan. Täglich nehmen die kleinen Racker zu, das Fell wird dichter und flaumweich. Die Augen sind inzwischen ganz geöffnet und somit können die Zwerge mit ihren Knopfaugen die Welt erkunden. Die Motorik ist voll ausgebildet. Jedes der Kleinen kann nun selbstständig fressen, laufen, klettern und alle natürlichen Instinkte sind voll ausgebildet. Sie können komplett selbstständig fressen, werden aber weiter gestillt.

4 Wochen später

Die kleinen sind frech und erkunden die Welt mit viel Interesse und Eifer. Sie ahmen gut ihre Mutter nach und lernen täglich viel neues kennen.

Auch das selbstständige Fressen vermehrt sich. Natürlich werden sie noch immer gestillt, müssen aber inzwischen schon eigene Kost zu sich nehmen.

Jetzt kann man gut die unterschiedlichen Charaktere der Tiere erkennen und entsprechend mit ihnen arbeiten. Auch sind die Augenfarben erkennbar.

5 Wochen später

Endspurt. Jetzt können die Kleinen kugelrunden und wollig weichen Plüschkugeln in ihr neues Heim ausziehen. Da sie aber noch im Prägealter sind, müssen sie mindestens einen gleichaltrigen Ratz mitnehmen, wenn noch keiner im neuen Rudel vorhanden ist.


Inzwischen ist das Fell fest und dicht, die Unterwolle gut ausgeprägt. Die Motorik ist bestens ausgebildet. Die Rattenkinder sind nun nicht mehr auf ihre Mutter angewiesen.

                                                                               Jedoch benötigen sie noch Zeit und

                                                                               vorzugsweise ältere Ratten zum lernen.

ab der 6. Woche

Der Point hat sich inzwischen kräftig ausgebildet und das erst schmutzig wirkende Fell hellt von Zeit zu Zeit immer mehr auf. 

 

Übrig bleiben die Points auf der Nase und am Po des Tieres.

Das typische Markenzeichen der Siam entwickelt sich also nach und nach.

*1) Makrolon- bzw. Hartplastikwurfboxen:

Sie bieten neben Schutz auch ein wichtiges Gefühl für Sicherheit und Ruhe für die werdende Mutter und können nebst als Wurfbox auch als Quarantäne-Box verwendet werden.

Die Reinigung erfolgt einfach durch auskochen und desifizieren.

Die Boxen bieten auch die Möglichkeit, rechtzeitig Probleme zu erkennen und entsprechend eingreifen zu können. Das Muttertier hat bis zum Zeitpunkt in dem die Kleinen mit offenen Augen durch die Welt tappsen und anfangen selbstständig zu fressen (ca 2,5 - 3 Wochen) einen guten Überblick über ihren Wurf. Die Kleinen können sich nicht weit von der Mutter entfernen. Das baut Stress ab. Es können keine anderen Ratten von außen eindringen. Somit ist die junge Familie ungestört.

Mit 2,5 - 3 Wochen werden die Welpen und ihre Mutter in einen großen Übergangskäfig umgesiedelt. Dort lernen die Welpen zu klettern, Nester zu bauen, sich zu verstecken und natürlich alles, was Mutter Ratte ihnen noch beibringen möchte. Die Mutter bekommt nun immer mehr die Möglichkeit auch mal fernab der Welpen zu sein. Weiterhin genießt sie Ihre Freiräume und den Kontakt zu ihrem Rudel.


Trotz der Welpengeburt in der Box distanzieren wir uns von "Boxenhaltung" oder "Makrolonaufzuchten". Denn diese Begriffe stehen für das reine Aufziehen und abschließende Halten der Tiere in diesen Boxen. (Bsp. Futtertierzüchter, Labore)