Rudelverhalten der Tiere - Warum Einzel- oder Zweierhaltung schädlich für die Tiere und somit keine artgerechte Haltung ist.

Einzel- und Zweierhaltung

Wer sich mit dem Thema Farbratte als Haustier beschäftigt, wird unweigerlich mit der Frage der Anzahl der Tiere konfrontiert. Leider gibt es noch immer Menschen, die aus egoistischen Gründen falsche Entscheidungen treffen und unbelehrbar sind. Diese Menschen sollten sich lieber keine Lebewesen, sondern Plüschtiere zulegen. 

Warum ist das so?


Um diese Frage zu klären, haben wir uns bemüht, die Thematik Rudel etwas auszuführen und somit verständlich zu machen, was eine Rudelstruktur ist. (dazu siehe Punkt 2: Einführung in die Grundstruktur)


3er-Haltung

Ein Rudel beginnt ab 3 Tieren. Allerdings ist dies noch immer keine gute Haltung. Denn es kann auch in einem 3er Rudel zu großen Spannungen kommen. Das ist abhängig von den Charakteren der Tiere und der Haltung.  In einem 3er Rudel gibt es im Normalfall einen Chef und 2 Untergebene. Da es mit Sicherheit eine Ratte geben wird, der das nun überhaupt nicht passt, wird es immer wieder Streitereien und Versuche geben, den Rangposten zu erobern. Ein 4er-Rudel (oder größer) ist daher angenehmer, da die "Untergeben" sich selbst gut sozialisieren können. Sie bilden keine Konkurrenz zu einander.


1er-Haltung

Dies erklärt auch direkt, warum eine Einzelhaltung für die Tiere absolut nicht in Frage kommt. Menschen, die trotz Aufklärung über diese Tiere noch immer aus egoistischen Gründen nur eine Ratte haben wollen, sollten sich fragen, ob sie dem Tier einen Gefallen tun. 

Einzelne Tiere leiden. Sie haben keine Artgenossen zum kuscheln, toben, spielen und als Gesellschaft. Sie können keine soziale Struktur bilden und im schlimmsten Fall fühlen die Tiere sich unwohl. Da Ratten dem Menschen ähnlich sind, können diese Tiere ebenso Depressionen oder SVV-Verhalten entwickeln. (Selbst verletzendes Verhalten). Das sind Anzeichen von großen psychischen Problemen. Natürlich gibt es Ratten, die aus der Not eine Tugend machen und sich dem Menschen komplett zuwenden. Jedoch kann der Mensch nicht von ausgehen, dass auch diese Tiere nicht leiden.  (z.B. Wenn sie alleine sind)

Die Alterserwartung ist selten hoch, da das Leiden im Alter besonders stark wird. 
Ältere Ratten suchen oft die Ruhe, wollen aber nicht alleine sein. Sie fühlen sich in einer Gemeinschaft sicher und geborgen, was ihnen in einer Einzelhaltung absolut fehlt.


Folgende Krankheitssymptome können  Ratten in Einzelhaltungen entwickeln:

- Depressionen

- Fellausfall (Folgeerscheinung)

- Hautirritationen --> ständiges Kratzen (kein Parasitenbefall gemeint)

- kippen des Immunsystems --> ständiges Krank werden

- SVV (selbst verletzendes Verhalten) --> Zufügen eigener Bissverletzungen auf Bauch und Beine

- Panikattacken 

- andauernde Angstzustände

- Launenschwankungen mit Beißattacken

- verweigern der Nahrung

- Zerstörungswut (krampfhaftes Zerstören des Käfiginventars)

- ...

Darum Merke: Ein Mensch ersetzt niemals ein komplettes Rudel!


2er-Haltung

Auch dies ist keine optimale Haltung. Zwei Tiere können sich natürlich auch verstehen, aber dies ist eher die Ausnahme. Am Anfang bekommen viele Halter die Probleme nicht mit, denn oftmals beginnen die Problematiken nachts, wenn alles ruhig ist und die Beiden Ratten für sich alleine sind. 

Einer der Ratten ist unweigerlich der Chef. Dies ist der stärkere Ratz. Der Andere hat sich zu fügen. Er wird förmlich in diese Rolle gedrückt, was mitunter missfällt. So kann es im Laufe der Zeit zu immer öfter auftretenden bösartigen Beißereien kommen. Eine andere Möglichkeit ist auch, dass der Untergebene anfängt sich zurückzuziehen und in oben genannte Symptomatiken verfällt. Denn diese Situation kann andauernden Stress für die Ratte bedeuten.

Jeder Halter und Liebhaber sollte also überlegen, ob er den Tieren das antun möchte.


Darum Merke:  Behandele die Tiere so, wie du behandelt werden möchtest. Biete ihnen ein artgerechtes Zuhause und du wirst viel Freude mit ihnen haben. 


Einführung in die Grund-Rudelstruktur

Ratten sind Sozial- bzw. Verbundstiere. Sie leben in großen Gemeinschaften, auch Rudel genannt. In einem Rudel herrscht eine feste Struktur, die für das soziale Verhalten der Tiere äußerst wichtig ist. 


Die Struktur bildet sich durch verschiedene Charaktereigenschaften der Tiere.

Es gibt den Ranghöchsten, also den Chef oder die Cheffin des Rudels. Dies sind meist Tiere, welche nicht hervorstechen, sondern eher beobachten und sich im Hintergrund halten. Ein Leittier muss Ruhe ausstrahlen und auch in unliebsamen Situationen im Stande sein, das Rudel durch eigene Ruhe und souveränes Auftreten nicht der Panik verfallen zu lassen. Das ranghöchste Tier muss aber auch in der Lage sein, sich gegen die Rudelmitglieder zu behaupten. Dies wird in Abständen immer wieder getestet. Die Tiere liefern sich kleine "Rangkämpfe", um auszutesten, welches der Tiere das stärkste und welches das schwächere Rudelmitglied ist.


Devote Tiere (also Omega-Tiere) sind dahingegend die Rangletzten Tiere. Diese sind eher schüchtern und liefern sich erst gar keine Kämpfe, weil sie wissen, dass sie keine Chance haben würden. Sie unterwerfen sich von vornherein und lassen anderen den Vortritt.


Dazwischen gibt es zum Beispiel das Co-Leittier, welches vorwiegend in Großrudel vorhanden ist. Es ist der "Vize-Chef" und die rechte Pfote des Leittieres. Das entlastet den Chef / die Cheffin und der Überblick über das Rudel, sowie die Behauptung der Führungsposition ist somit gesichert.


Zwischen der Führung und dem Omega-Tier (Rangletztes Tier) sind die normalen Ebenen-Tiere. Sie bilden in der Hauptstruktur eine Unterstrucktur. Der Grund sind eigene Rangpositionen.

In diese kleinen Rangkämpfe mischt sich ein Leittier nie ein, denn diese Klärungen müssen im Rudel selbst ausgefochten werden. 

Ein Rudel sollte mehr als 3 Tiere beinhalten, damit die Struktur sicher gebildet werden kann. Selbst die Welpen lernen recht früh durch spielerische Rangausfechtungen, wer der Stärkere ist und bauen in ihren eigenen Kreisen Strukturen auf. Das sieht im Erwachsenenalter für Menschen natürlich recht gefährlich aus, aber man sollte sich aus diesen Klärungen auch als eigentlicher Rudelführer raushalten.

Hierarchie

Wir haben versucht zu veranschaulichen, wie eine Grundstruktur der Hierarchie aufgebaut ist. Das Omega-Tier ist hierbei förmlich eine Art Einzelgänger, der vom Rudel zwar geduldet, jedoch nicht als starkes Mitglied akzeptiert wird. Der Grund dafür ist, dass sich Omega-Tiere gegen Feinde nicht behaupten könnten und in der freien Natur für das Rudel eine Gefahr darstellen kann. Schwache Tiere locken Feinde an. Dieser "Überlebenstrieb" steckt noch immer in den Tieren drin und zeichnet sich durch dieses strukturelle Verhalten aus. 


Da bei Zuchtratten im Normalfall keine "natürlichen Feinde" zu finden sein sollten, bildet somit der Mensch das Hauptleittier. Das tierische Leittier bleibt jedoch die Ratte mit der stärksten Behauptung im Rudel.


Der Mensch muss sich also gegen das Leittier behaupten, sowie gegen alle Rudelmitglieder, um als Leittier akzeptiert und respektiert zu werden. Dies bedarf etwas Übung und klare Erkenntnis über Körpersprache und Rudelverhalten der Tiere.

Die Anzahl der mittleren Rudelmitglieder kann variieren und ist natürlich von der Größe des Rudels abhängig.

Auch die Anzahl der Omega-Tiere ist unterschiedlich. Es gibt auch Ratten, die sich freiwillig auf diesen Posten setzen lassen, weil sie dort eher ihre Ruhe haben.

Das Co-Leittier ist meist in Rudeln ab einer Anzahl von 6 Tieren zu beobachten.