Fiese Gerüchte

Das Internet ist voll mit Gerüchten und Fehlinformationen.

Leider ist dieser Umstand nicht besonders gut für die Ratten, denn durch falsche Informationen entstehen falsche Handlungen, die den Tieren mehr schaden, als von Nutzen sein können.


Hier wollen wir einmal mit einigen hartnäckigen Gerüchten aufräumen, welche wir selbstveständlich auch begründen. Jeder sollte für sich in der Lage sein, Informationen zu hinterfragen und mit ein wenig Verstand erklären können.


Gleichbleibende Zimmertemperatur für Ratten

FALSCH!

Ratten benötigen keine Konstanttemperatur, da ihr Organismus dem des Menschen sehr ähnlich ist.  Somit sind sie dank ihrer Anatomie sehr gut in der Lage, die Temperatur selbst zu regulieren. Eine stetig gleichbleibende Temperatur verhindert eher, dass sich das Immunsystem des Tieres mit der Anpassung stärkt. Die Erkältungsgefähr bei einem Windzug ist daher sehr hoch, da die Tiere nicht lernen können, verschiedene Temperaturen auszuhalten und körpereigen zu regulieren.

Agoutis (wildfarbend) sind wild und unzähmbar. Sie sind bissig und nicht einfach.

FALSCH!

Fälschlicherweise wird den Agouti-Ratten (Ratten mit wildfarbendem Fell) angedichtet, dass sie auch wild sind. Die Farbe des Fells hat nichts mit dem Charakter zu tun. Agouti-Ratten können genauso liebenswert, verspielt und vorwitzig sein, wie Ratten mit andersfarbigem Fell.  In den Zuchtratten Agouti steckte irgendwann vielleicht einmal etwas Wildratte drin, jedoch ist das reine Wild-Gen durch die Kopplungen verschiedener Gene (Fremdblut / Neuverpaarung) längst nicht mehr in den Ratten vorhanden.  (was nicht heißt, dass sie keinen natürlichen Trieb haben.)

Ein Forum bietet ausreichend Informationen

FALSCH!

Ein Forum ist zwar gut, um sich mit Randinformationen zu füttern oder Instruktionen zu sammeln, jedoch sollte man immer in der Lage sein, alle Informationen sinnvoll zu hinterfragen und evtl. mit anderen Informationen abzugleichen. Im Forum werden viel  Halbwahrheiten und Unwahrheiten präsentiert. Die Repräsentanten selbst haben diese Informationen oft nur aus anderen Foren oder von "Bekannten", welche sich auch oftmals keine weitergehenden Gedanken machen. Daher sollte man mit Foren sehr vorsichtig umgehen.

Einzelhaltung ist artgerecht und ausreichend für die Ratten

FALSCH!

Sehr oft liest und hört man dieses Statement. Jedoch ist alleine die Überschrift Tierquälerei und jeder, der diesem Statement Gehör schenkt, sollte sich überlgen, ob es nicht sinnvoll wäre, ein Plüschtier, statt einem echten Lebewesen, ein Zuhause zu schenken.

Ratten sind Verbunds- bzw. Sozialtiere. Sie brauchen eine soziale Rudelstruktur. Das bedeutet, dass eine Hierarchie (Rangfolge) nur im Rudel (in einem Verbund) möglich ist. Ein Rudel beginnt ab 3 - optimaler jedoch ab 4 Tieren.

Es gibt im kleinen Rudel ein Alpha- bzw. Leittier. Quasi der Chef der Gruppe. Er ist das stärkste, aber das geduldigste Tier. Ein Chef strahlt auch im Stress Ruhe aus und hält die Gruppe zusammen. Danach folgen alle anderen Tiere. Mitunter auch ein Omega-Tier, welches das schwächste Tier darstellt. 

Eine Einzelhaltung ist daher schädlich, weil die Ratten ihre Artgenossen auch zum spielen, kuscheln, toben, raufen und für die soziale Struktur benötigen.

Merke: Ein Mensch ersetzt niemals ein Rudelmitglied! Er kann jedoch ein Teil des Rudels werden (Einzelhaltung ist kein Rudel!)

Schokolade und Süßigkeiten für Ratten sind tödlich

FALSCH!

Ratten sind Allesfresser und sind vom anatomischen Aufbau und der damit verbundenen Funktion durchaus in der Lage, sämtliche Nährstoffe zu verarbeiten. Damit verbunden sind auch Süßigkeiten oder mal etwas Knabbereien, die der Mensch gerne verspeist. Voraussetzung ist dafür, dass das Tier sehr viel Vielfalt in der Nahrung gewohnt ist. Da der Rattenorgansimus zu 94% dem des Menschen ähnlich ist, sollte es aber hierbei keinerlei Probleme in der Nährstoffverarbeitung geben.

Aber es gibt auch Ausnahmen unter den Tieren. Jeder Organismus ist anders und man sollte schon darauf achten, ob das Tier eine Verträglichkeit vorweist oder ob es zu einer Unverträglichkeit kommt (ähnlich wie beim Menschen auch).


Hinterlauflähmungen werden hauptsächlich durch Tumore verursacht

FALSCH!

Es gibt Ratten, bei denen HInterlauflähmungen durch Medikamentenüberdosierungen oder zu starken Medikamenten verursacht worden sind. Diese Fälle sind jedoch seltener verzeichnet.

Die Hauptursache für Hinterlauflähmungen ist Altersschwäche. Wie beim Menschen auch wird eine Ratte nicht jünger, sondern älter. Mit dem Alter kommen die typischen Altersgebrechen. Viele sehen mit dem Alter schlechter, als sie es ohnehin schon tun (Ratten sind kurzsichtig). Manche werden auch auf dem Gehör schwächer und die Gehörstärke nimmt stark ab, bis sie mitunter ganz verschwindet.

Und das typischste Gebrechen der älteren Damen und Herren ist nun mal die Muskulatur und Durchblutung. Sie werden auf den Beinen schwächer. Hinterlauflähmung (auch genannt Hinterhandlähmumg HHL)  ist die Folge des Alterns.

In dem Fall ist es ratsam zu entscheiden, ob eine Euthanasie sinnvoll erscheint. Denn Ratten können irgendwann mit dem Rudel nicht mehr mithalten und jede Bewegung wird zur schleppenden Qual.  (je nach Stadium)

 

Ratten stinken

Falsch!

Jedes Tier hat seinen eigenen Geruch.  Ob ein Tier jedoch "stinkt", das hängt natürlich vom Halter ab. Denn wenn die Gehege / Käfige der Tiere regelmäßig gereinigt werden, kommt es auch nicht zur übermäßigen Geruchsbildung. (was jedoch nicht heißt, dass es eine ständige Reinigung mit Desinfektionsmittel und überaus starken Reinigungsmittel werden muss)

Reinigt die Behausungen und Toiletten der Tiere mit und ihr habt keine Geruchsbelästigung!

Böckchen stinken mehr als Weibchen

Falsch!

Sicherlich haben Böckchen einen etwas herberen Geruch an sich, was jedoch nicht heißt, dass sie mehr stinken. Das ist des Menschen Empfindung. (ähnlich wie bei Düften: die Einen mögen es herber, die Anderen mögen es lieblicher)

Der Böckchengeruch bildet sich mitunter aus dem Testosteron. Man stellt es auch fest, dass ein dominantes Böckchen stärker im Eigengeruch ist, als ein devotes bzw. unterwürfiges Tier.

Gestank ist Empfindungssache, jedoch kein Fakt.

Es gibt keinen Unterschied zwischen Tieren aus der Zoohandlung und Tieren vom Züchter

Falsch!

Hierbei gibt es sehr große Unterschiede.

Zum Beispiel in der Aufzucht. Die meisten Zoohandlungsratten stammen aus dem Überschuss von Futtertierzüchtern oder "Vermehrern". Zu ihnen gibt es keine Linie und keinen Stammbaum. Es gab auch keine liebevolle Aufzucht, es wurde mit ihnen nicht gespielt und sie sind selten gut an die Hand gewöhnt. (Ausnahmen gewöhnen sich in der Zoohandlung etwas an die Hand). Über Krankheiten ist meist nichts bekannt und auch nicht wie die Grundcharaktere in den Elterntieren sind. [...]
Eine Zoohandlung ist auf Vertrieb eingestellt, das heißt reiner Verkauf. Eine Beratung verläuft nur auf Vertriebsinhalte (Sie wollen sowohl die Tiere, als auch dazugehörige Futtermittel an den Mann bringen).

 

Ein guter Züchter führt Buch über jede Linie. Es wird sehr genau überlegt, welche Tiere in die Zucht gehen und welche nicht. Über jede auftretende Krankheit wird Kartei geführt und zu den Kunden wird im besten Fall ein guter Kontakt auch nach dem Rattenverkauf geführt. Somit gewährleistet der Züchter, dass er auch über das Aufwachsen, Verhalten und Krankheiten seiner Tiere informiert wird. Dieses Wissen fließt dann natürlich in die Zucht. Außerdem wachsen die Welpen in einer artgerechten und liebevollen Umgebung auf. Werden sowohl an Rudel, als auch an die menschliche Hand gewöhnt. Die Welpen erfahren keine reine Boxenhaltung, wie es beim Futtertierzüchter ist, sondern viele Freiheiten und Spielmomente.

 

Diese Unterschiede prägen natürlich. Und jede Prägung spiegelt sich im Verhalten wieder. Zumal die Alterserwartung bei Zoohandlungstieren nicht besonders hoch ist (Ausnahmen gibt es überall). Bei einem guten Züchter kann man das durchschnittliche Alter erfragen und sich auch nach der entsprechenden Linie erkundigen.

 

Ein guter Züchter berät und informiert, er nimmt sich Zeit für den Interessenten, genauso wie er sich viel Zeit für seine Tiere nimmt.

"Makrolontiere" lassen sich nicht integrieren

Falsch!

 

     Die Dauer der Integrierung ist bei jedem Tier unterschiedlich. Sie sollte aber nicht länger als 

     3 Tage dauern. Das hat nichts damit zu tun, in welcher Art "Käfig" die Tiere im Welpenalter 

     verweilen.  In unserer Zucht wird das Muttertier für die Geburt in entsprechende Wurfboxen        gesetzt. Das geschieht zur Sicherheit der Mütter und den Welpen. Diese werden später in            größere Käfige umgesetzt und bereits mit anderen Jungtieren integriert. Siehe auch: Von der      Geburt bis zur Abgabe.

     Ältere Tiere zu integrieren kann unter Umständen etwas komplizierter werden, da es bereits 

     Rangformationen gibt. Jedoch ist es nicht unmöglich. (Ausnahmen gibt es auch hier)